Zuhause ist da wo du bist – von den Tücken des Zusammenziehens

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Der Traum vom Zusammenziehen

Zusammenziehen hört sich super romantisch an: Man wacht früh zusammen auf, küsst sich unter im leichten Sommerwind wehenden Laken, isst Frühstück im Bett, duscht gemeinsam, geht am Wochenende gemeinsame Projekte an, verbringt total harmonisch ganz viel Zeit zusammen, immer leicht schmusend und lachend und schläft jeden Abend dicht aneinander gekuschelt ein. So viel zur Theorie und zu den Erwartungen, die man wohl so oder so ähnlich hat, wenn man mit dem Partner zusammenziehen möchte.

Doch dann klopft mal eben die Realität an die gemeinsame Wohnungstür

Spätestens wenn man morgens verschlafen in einem karierten langen Schlafanzug ins Bad taumelt völlig übermüdet vom nächtlichen Schnarchkonzert des Partners und auf den nassen Duschvorleger tritt, der wiedermal nicht aufgehängt wurde, wird einem klar: „Nö, so einfach ist es nicht!“ Und neben einem genervten Schnauben aus dem Bad hört man die Traumblase platzen.

Zwei unterschiedliche Menschen teilen sich jetzt einen Lebensraum. Giraffe und Elefant müssen jetzt also auf engstem Raum (okay wir übertreiben es mal nicht, immerhin sind es meist 50-90 qm) ihr gemeinsames und ihre jeweils eigenen Leben leben. Dass das nicht so einfach ist, zeigen wohl die Trennungsraten der kurzzeitig Zusammengezogenen. Aber was genau sind das für Tücken, die das Zusammenleben mit sich bringt.

Beispiele gefällig? Aber nicht bei mir beschweren wenn ihr euch und euren Partner gleich wieder erkennt

Zwei Menschen haben oft auch unterschiedliche Meinungen. Für die/den eine/einen ist es wichtig, dass die Stühle symmetrisch und gleichermaßen an den Tisch gerückt sind (mir). Für manche ist es wichtig, dass die leere Kaffeetasse nicht auf der Spüle stehen bleibt, sondern in die darunter befindliche Spülmaschine geräumt wird (ihm). Die einen empfinden es als bereits geputzt, wenn gesaugt ist (Er). Für manche impliziert das Wort „Putzen“ auch Staubwischen (für mich). Auch die Aufgabenteilung regelt sich meist ganz von selbst. Denn während für den/die einen/eine den Müll runterbringen oder Töpfe abspülen die pure Qual ist (das wäre dann wohl ich), ist es für den anderen nicht möglich die Socken „in“ und nicht „neben“ den Wäschekorb zu werfen (für ihn).

Und während ich mich über die Kleidungshaufen auf seinem Teppich vor dem Bett und den berühmt berüchtigten „Stuhl im Schlafzimmer“ wundere, wundert er sich über den Stapel „Wohnzeitschriften“, die akkurat aufeinander gestapelt auf dem Sofa oder Beistelltisch liegen und die Stimmung von „Wir werden regelmäßig gelesen“ versprühen. Während ich also in der Wohnung Stunden umhergehe und die dekorative Ausgestaltung in mühevollster Kleinstarbeit erledige, kommt er rein und beschwert sich über den Kaffeefleck im Bad (oder überall wo ich mich morgens fertig mache). Und wenn ich nach Hause komme und frage, warum er nichts im Haushalt gemacht hat, weil die Trainingstasche mal wieder im Weg steht, schaut er mich ungläubig an, da er gerade 5 Trommeln Wäsche gewaschen, getrocknet und zusammengelegt hat.

Menschen sind verschieden, nehmt es mit Humor

Inzwischen können wir es zumindest überwiegend mit Humor nehmen und ziehen uns mit den Verschiedenheiten oder Besonderheiten des anderen auf. Viel zu schön sind im Gegenzug die positiven Momente des Zusammenlebens, die das Zusammenziehen mit sich bringt. Zum Beispiel die gemeinsamen Filmabende, jeden morgen nebeneinander aufwachen, die Möglichkeit zumindest ab und an zusammen zu duschen, das ausgiebige Frühstück am Samstagmorgen, die lustigen Alltagsmomente, die man teilt und noch so viel mehr. Menschen sind verschieden, wir alle sind anders und jeder ist richtig so wie er ist. Wer das im Hinterkopf behält und auch in schwierigen Zeiten tapfer durchhält, es auch mal mit Humor nimmt und alle fünfe gerade sein lässt, der kann es am Ende genießen das Zusammenleben und ja, mit all seinen Tücken.

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