Rechtsanwältin und Bloggerin, geht das überhaupt? Und wie!

In letzter Zeit erreichen mich immer wieder Fragen zu meinem Hauptberuf als Rechtsanwältin. Wie es ist nebenher eine kreative Tätigkeit auszuüben und wie lassen sich diese zwei Welten vereinbaren?

Wie kam es zum Jurastudium?

Wenn wir schon mal dabei sind, fangen wir doch ganz von vorne an. Meine Leistungskurse am Gymnasium waren meine Wahl. Das was ich wirklich wollte, mit was ich gerne meine Zeit verbracht habe: Deutsch und Kunst. Ich hatte schon immer einen Sinn für alles Schöne, für Aesthetik, für Literatur.
Nach dem Abi dann die große Frage: Was jetzt? Studieren? Aber was? Irgendwas mit Medien (typisch in der heutigen Zeit) war damals (*ja ich bin nicht mehr 22 und darf das Wort daher benutzen*) gar nicht so einfach. Denn die neuen, in Mode gekommenen Studiengänge wie Kommunikationswissenschaften, Kommunikationsdesign und Medienkommunikation waren vollkommen überlaufen. Der NC von durchschnittlich 1,5 bei meinem Abischnitt von 2,3 für mich zu diesem Zeitpunkt unerreichbar. Eine private Schule für Modejournalismus? Zu teuer! 
Also eine Alternative: Nach einem kurzen gedanklichen Abstecher Richtung Städteplanung war ich dann bei dem bodenständigsten angekommen, Jura, da hat man etwas Handfestes. Zudem konnte ich mir damals sehr gut vorstellen als Staatsanwältin tätig zu werden.

Die Entscheidung war also getroffen. Und wie es ja immer so ist, in diesen Momenten passiert dann meist etwas Unerwartetes, in meinem Fall kam die Post und brachte einen Brief der alles umwarf. Ich wurde im Nachrückverfahren angenommen zum Doppelbachelor Mode-Textil-Design und Germanistik in Paderborn, yes Jackpot! Kurze Zeit später ein Umzug nach Paderborn, eine 7 stündige Autofahrt alleine und der Beginn des Studiums. Nichts war so wie gedacht. Der Studiengang nicht wirtschaftlich ausgerichtet, sondern eher pädagogischer Natur. Auch gut aber für mich zu diesem Zeitpunkt nicht das, was ich wollte. Es war ein Dienstag, 1stes Semester, mitten im Semester, ich wusste ich musste etwas tun. Mein Plan Richtung Modejounalismus zu gehen, schien gescheitert zu sein und ich hatte keine Kraft mehr zu kämpfen. Also tat ich was mir am naheliegendsten erschien, ich kehrte zurück zu Plan B, nicht wissend, dass das noch ein viel größerer Kampf werden würde. Zwei Telefongespräche später war es klar. Wenn ich es bis Ende der Woche schaffte in Würzburg zu sein, könnte ich noch zum laufenden ersten Semester in das Jura Studium einsteigen ohne ein Semester zu verlieren. Okay, also packte ich mein komplettes WG Zimmer zusammen, warf alles in mein Auto, verabschiedete mich von meiner perplexen Mitbewohnerin, Exmatrikulation in Paderborn am Mittwoch, Immatrikulation in Würzburg am Donnerstag, „Herzlich Willkommen im Jura Studium“.
Die ersten Wochen wohnte ich in einer Pension und holte alles nach was bis dahin bereits in den Vorlesungen gehört wurde. Ich schrieb die ersten Klausuren mit, bestand alles und fand meine eigene Wohnung. Da war ich nun als Jurastudentin in Würzburg. Die, die mich kannten sagten, ich könne es nicht schaffen, es sei zu schwierig für mich, ich würde mich ja nicht mal für Politik interessieren (stimmte zu diesem Zeitpunkt auch, aber ich hab es trotzdem geschafft, schämt euch so über andere zu urteilen).

Aber sie hatten mit einer Sache recht: es war nicht so naheliegend gewesen, da mein kreativer Geist nie wirklich zu bändigen war.
Zum Jura Studium an sich erzähle ich gerne ein ander Mal, nur so viel: Es war über die Maßen anstrengend für mich, kostete mich alles was ich hatte, vor allem viel Kraft und Selbstbewusstsein. Manchmal dachte ich an aufgeben, war kurz davor alles hinzuschmeißen, ich vermisste alles Kreative und die Mode, das „schöne Schreiben“ und fand an den Korrekturrändern meiner Klausuren immer wieder das Wort „Gutachtenstil“. Schöne durchdachte Schachtelsätzen, wohl gewählte abwechslungsreiche Ausdrücke beeindruckten dort niemanden, das Ganze lebte von stupide Wiederholung des immer gleichen in der immer gleichen Struktur. 


Wie wurde der Blog Clean Couture gegründet?

Ich brauchte einen Ausgleich. Die Kreativität musste freigesetzt werden. So kam es schließlich dazu, dass ich begann einen Blog zu schreiben, damals noch „Elizabeth Living“ eher eine Art Tagebuch mit Blogbeiträgen beispielsweise über den Weihnachtsmarkt (Ja, richtig gehört. Das geht an alle „Influencer“ Anfang 20 da draußen, so hat das damals begonnen, vor den Zeiten von Instagram). Dann der Relaunch mit Clean Couture und aus dem reinen Tagebuch wurden Blogbeiträge zu den Themen Mode und Lifestyle. Über die Jahre hinweg haben sich meine Prioritäten geändert und mit ihnen auch mein Blog. So schreibe ich nun ein Onlinemagazin nicht nur über Mode sonder über ganz vielen anderen Themen in Form von Kolumnen und Stories und habe sogar eine Gastautorin, die nun den Bereich Wohnen abdeckt. 

Ist es schwer einen Blog neben einem Fulltime Job zu schreiben und wie lässt sich die Tätigkeit als Rechtsanwältin mit der Tätigkeit als Bloggerin vereinbaren?

Einfach ist es sicher nicht. Ein Job als Rechtsanwältin ist kein 9 to 5 Job, man arbeitet länger und manchmal auch noch länger als lange. Nach Hause komme ich gegen 20:00 Uhr/20:30 Uhr, nicht zuletzt auch aufgrund meiner 45-minütigen Heimfahrt.

Als Rechtsanwältin zu arbeiten, bedeutet strukturiertes Arbeiten, Rechtsprobleme rauf und runter prüfen, Lösungen finden, Kommunikation mit den Mandaten, Termine, Besprechungen und und und. Ein typisches Tagesgeschäft oder einen typischen Fall gibt es nicht. Kein Tag ist wie der andere. Gewohnheit gibt es so gut wie keine. Es bleibt also immer spannend, aber auch immer anstrengend und herausfordernd. Während der Arbeit bleibt keine Zeit für etwas anderes. Das heißt, um den Blog entsprechend nebenher zu führen, den Podcast aufzunehmen, Bilder zu machen, Texte zu schreiben, muss ich Freiräume nutzen.

Es bleiben mir die täglichen Fahrten zur Arbeit und von der Arbeit nach Hause, 1-2 Stunden abends nach der Arbeit Zuhause und an den Wochenenden. Es ist oft stressig aber es macht mir Spaß. Ohne die Kreativität wäre ich nicht mehr die, die ich wäre. Es geht also, mit entsprechend viel Disziplin und Organisation kann man es schaffen.

Rechtsanwältin und Bloggerin, ein Widerspruch? 

Sicher wird es nicht von allen in meinem Umfeld als positiv gewertet, dass ich einen Blog schreibe. Jedoch arbeite ich in der Kanzlei in einem tollen Team, das mich bis jetzt auf meinem Weg durchgehend unterstützt hat. Bereits in meiner Bewerbung habe ich angegeben, das ich nebenher selbstständig bin und einen Blog führe. Alle wussten also auf was sie sich einlassen und trotzdem ist es in der Branche, die ja doch eher als konservativ eingestuft wird, nicht selbstverständlich so angenommen zu werden. Ohne den Rückhalt hätte ich mich wohl zwischen dem Einen oder dem Anderen entscheiden müssen. So habe ich die Freiheit beides auszuüben und auch die positiven Seiten der beiden Welten zu nutzen, um die jeweils andere zu inspirieren und zu beeinflussen. Meine Kollegen sind interessiert, fragen nach wie sich alles entwickelt und lassen sich inspirieren. Der Umgang mit Problemen und ihrer Lösungsfindung hilft mir auf der anderen Seite im Blogalltag ebenso wie die Struktur und Organisationsfähigkeit. Zwei unterschiedliche Welten, die aber keinen Widerspruch in sich tragen. Ich bin froh und stolz beides machen zu können und auch zu beweisen: Man muss sich nicht immer für das Eine oder Andere entscheiden. Man kann auch einfach mal mehrere Dinge nebeneinander machen, ohne der ein oder anderen Sache nicht gerecht werden zu können.

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.