Ökologische Landwirtschaft – was darunter zu verstehen ist und über die Frage, ob wir zu ungeduldig dafür sind.

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Was hier eigentlich hätte stehen sollen

An dieser Stelle sollte eigentlich ein Beitrag zu dem Thema kommen“Stadt, Land, Haus – wo lebt es sich am besten“. Als totales Landei, das seine Zwischenstation in der Großstadt Frankfurt gefunden hat, war es mir ein Anliegen das Leben in der Stadt und das Leben auf dem Land mit allen Vor- und Nachteilen darzustellen und darüber zu sprechen, wie schwer die Suche nach dem richtigen Lebensmittelpunkt, Haus und Grundstück ist und warum immer mehr junge Menschen ihr Glück auf dem Land suchen und finden.

Hierzu musste natürlich auch eine passende Location her und sofort kam mir der Dottenfelderhof in den Kopf geschossen, der, wenn auch nicht auf dem Land, dem Landleben zumindest anmutet.

Gesagt getan, eine Woche später an einem schönen und kalten Freitagmorgen standen Nadine von koppiright und ich auf dem Dottenfelderhof um Bilder für den Beitrag zu shooten. Natürlich wollten wir vorher fragen, ob das in Ordnung geht. Ging es zwar, aber mein Beitragstitel wurde kritisch beäugt. Lieber solle ich doch mal über ökologische Landwirtschaft und den Klimaschutz schreiben, wurde mir gesagt.

Darüber musste ich lange nachdenken, denn die Frage ist ja immer, ob man sich es zutraut über Themen zu schreiben, die Fragen aufwerfen, die teilweise kritisch sind und zu Diskussionen anregen. Da ihr den Beitrag lest, heißt das wohl, dass ich die Herausforderung angenommen habe. Das andere nicht weniger spannende Thema wird somit vertagt und wir machen uns mit dem Thema ökologische Landwirtschaft vertraut, fragen uns aber auch, ob die ökologische Landwirtschaft vor allem was die Viehwirtschaft angeht so klimafreundlich ist, wie sie angibt zu sein.

Ökologische Landwirtschaft – Was versteht man darunter überhaupt?

Was genau ist unter ökologischer Landwirtschaft zu verstehen? Ökologische Landwirtschaft bedeutet nicht nur achtsame und umweltschonende Produktion sowie artgerechte Tierhaltung, es bedeutet auch dass der Betrieb im Bestfall weitgehend autark bewirtschaftet werden kann. Auf externe Produktionsmittel soll soweit möglich verzichtet werde. Im Klartext bedeutet das, man hält nur so viele Tiere wie man in der Lage ist auf dem Hof eigens Futtermittel für eben diese Tiere zu produzieren. Zudem soll die Menge des natürlich anfallenden Düngers auf die Pflanzen und deren Nährstoffbedarf abgestimmt sein. Alles soll sich in einem natürlichen Kreislauf ergänzen. Es geht also nicht darum Maximalerträge mit so geringem Aufwand wie möglich zu erreichen um die Erzeugnisse zu Dumpingpreisen anzubieten. Vielmehr geht es darum den bestehenden Stoff- und Energiekreislauf verantwortungsvoll und nachsichtig zu nutzen.

Abgrenzung zur biologisch dynamischen Landwirtschaft

Darüber hinaus gibt es noch das Modell der biologisch dynamischen Landwirtschaft, das sich neben den Modellen der ökologischen Landwirtschaft als eigene Landwirtschaftsmethode entwickelt hat.

Ebenso wie bei der ökologischen Landwirtschaft ist ein zentraler Punkt die Individualität des Betriebs. Auf externe Produktionsmittel wird weitgehend verzichtet. Zudem steht aber der Boden im Fokus. Maßnahmen, die sich direkt auf die Bodenfruchtbarkeit auswirken, machen die biologisch dynamische Landwirtschaft aus. Hierbei kommt es vor allem auf die Düngung, Bodenbearbeitung und Fruchtfolge an. Über den natürlichen Futter-Mist-Kreislauf hinaus werden mineralischem Kalk, Kali- oder Phosphordünger verwendet. In der biologisch dynamischen Landwirtschaft werden keine synthetische Stickstoffdünger verwendet. Der Stickstoffdünger wird auf natürliche Weise durch Pflanzen vor allem die Leguminosen (Hülsenfrüchte) ersetzt, die den Boden mit Stickstoff anreichen.

Auch bei der biologisch dynamischen Landwirtschaft hat die artgerechte Tierhaltung und das Tierwohl an sich einen hohen Stellenwert. Abgesehen davon, was ein jeder von uns persönlich von der Viehwirtschaft hält (ich ehrlich gesagt nicht sehr viel…) werden die Tiere nicht überzüchtet und in ihre natürliche Entwicklung so wenig wie möglich eingegriffen.

Die Landwirte, die nach diesem Modell wirtschaften haben auch die Verwertungsgesellschaft Demeter gegründet, die wir von der ein oder anderen Nahrungsmittelverpackung sowie Kosmetik kennen.

Sind wir zu ungeduldig für ökologische Landwirtschaft?

Ökologische Landwirtschaft bedeutet bewusster Konsum, Entschleunigung und manchmal auch Verzicht. Nebenbei vor allem auch viel Arbeit, Forschung und Durchhaltevermögen.

Video der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung

Wie aus dem Video bereits hervorgeht, wird beispielsweise auf dem Dottenfelderhof Weizen direkt in der hofeigenen Bäckerei zu Brot und weiteren Backwaren verarbeitet. Die Milch der 80 Milchkühe auf dem Hof in der ebenfalls hofeigenen Käserei zu Käse verarbeitet. Zudem gibt es die Möglichkeit weitere Hoferzeugnisse wie Gemüse und Obst im Hofladen zu kaufen.

Dass dieser Prozess jedoch dauert und auch von der Saisonalität abhängt, ist uns zwar bekannt, aber eben nicht mehr bewusst.

Denn in den Supermärkten gibt es alles und das immer. Warum also warten, sich vermeintlich einschränken und beispielsweise das Kochen nach der Saison ausrichten, statt im Winter einen Salat mit Erdbeeren aufzutischen? Weil es verantwortungsvoller ist! Verantwortungsvoll für unsere Umwelt, verantwortungsvoll für die Tiere und die Pflanzen, denen wir uns hierfür bedienen.

Gut Ding will Weile haben.

Ein Spruch der inzwischen ziemlich aus der Mode gekommen ist, da nahezu nichts mehr bei uns wirklich „Weile hat“. Alles immer nur schnell, schnell, am besten vorgestern statt morgen. Wir sind ungeduldig und rastlos, weil wir es inzwischen anders gewohnt sind. Aber ist es wirklich langfristig das was wir wollen?

Jetzt haben wir noch die Möglichkeit uns zurückzubesinnen und uns zu entscheiden. Auf ein Brot zu warten, das frisch gebacken aus selbst angebautem Weizen aus dem Backofen kommt, statt beim nächsten Discounter am Automaten auf einen Knopf zu drücken und Sekunden später das Brot mit einer Tüte mit Plastikfenster zu empfangen. Wir haben noch die Wahl! Wir sollten sie nutzen, uns ein wenig gedulden, solche Angebote wie sie der Dottenfelderhof anbietet auch annehmen. Denn sonst werden wir irgendwann nicht mehr die Wahl haben. Nicht mehr die Wahl woher unsere Produkte kommen, wie sie hergestellt wurden, welche Erzeugnisse hierfür verwendet wurden. Wir würden es schlicht nicht mehr mitbekommen.

Es verändert sich etwas und zwar nich erst seit gestern. Die Erde hat genug von all dem und sie lässt es uns spüren. Und wir haben so sehr alles im Überfluss und so intransparent, dass wir gar nicht mehr wissen wo wir anfangen sollen etwas zu ändern. Weil wir die Auswirkungen wahrscheinlich nur bei den offensichtlichen Dingen und den weitreichendsten Folgen ersehen können. Zeit mal zurückzublicken. Sich Gedanken zu machen wie es damals war, zu der Zeit zu der vielleicht nicht alles einfach war, aber in der man noch Verantwortung übernommen hat. In der unsere Großeltern und Urgroßeltern selbst angebaut haben und ihre Erzeugnisse verarbeitet haben. Geduld kann man lernen, es wird höchste Zeit dass wir damit anfangen. Was nicht heißt dass wir stur alle Gewohnheiten über Board werfen sollen. Wir müssen uns nur bewusst werden, was wir auch im kleinen ändern können und einfach mal irgendwo anfangen.

Landwirtschaft vs. Klimawandel?

Es stellt sich trotzdem die Frage, wie klimafreundlich die Landwirtschaft im Allgemeinen ist. Egal ob ökologisch, biologisch dynamisch oder nicht. Die Landwirtschaft trägt in Deutschland aufgrund der Emission klimaschädlicher Gase enorm zur Klimaveränderung bei. Sowohl die Tierhaltung aufgrund des Methan-Ausstoßes, als auch das Ausbringen von Wirtschaftsdünger wie Mist und die Lachgas-Emissionen der Böden sind mitverantwortlich für den Klimawandel. Natürlich ist dieser Einfluss nicht zu verleugnen.

Jedoch trägt die ökologische Landwirtschaft im Vergleich zur nicht ökologischen Landwirtschaft zu einer Reduzierung der Treibhausgase bei. Plakativ gesagt, stoßen auch 100 Kühe Methan aus, jedoch weit weniger als 1000 Kühe in einem nicht ökologischem landwirtschaftlichen Betrieb. Es ist doch wie bei vielen Dingen eine Sachen des Maßes und der Verantwortung. Die ökologische Landwirtschaft scheint sich ihrer Verantwortung bewusst zu sein und entgegen der Erzielung von Maximalerträgen die umweltschonendere Alternative der Landwirtschaft zu betreiben. Das zu unterstützen, ist ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Klimaschutz.

Wo finde ich Höfe auf denen biologisch dynamische Landwirtschaft betrieben wird in meiner Umgebung?

Wer jetzt auch auf der Suche ist nach Höfen in der Umgebung, die biologisch dynamische Landwirtschaft betreiben findet sie auf der Seite von Demeter. Hier steht euch eine Karte zur Verfügung, auf der unter anderem die Höfe (Demeter-Mitgliedern) zu finden sind.

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