Nina Egli von „Jakob&Tatze“

Nina kommt ursprünglich auf der Schweiz, ist Grafikerin, herzlich, aufgeschlossen und über die Maßen engagiert. Während ihrer Ausbildung durfte sich Nina mit der Technik des Siebdruckes vertraut machen und hat seitdem ihre Liebe zu dieser Art des Druckverfahrens entdeckt. So hat Nina das Unternehmen Jakob&Tatze gegründet. Nicht nur sie selbst setzt verschiedene Druckprojekte um, die auch in ausgewählten Shops erhältlich sind. Nein, sie hat zudem verschiedene Workshopkonzepte entworfen, die es anderen ermöglichen in Ninas wunderschönem Atelier individuelle Projekte umzusetzen.

Auch ich habe für den Druck meiner Visitenkarten für mein neues Business einen von Ninas Workshops besucht und war begeistert von der Atmosphäre, ihrem Atelier, ihrem Engagement und ihrer Liebe zum Detail sowie den einzigartigen Ergebnissen.

Clean Couture: Wie bist du zum Siebdrucken gekommen? Was fasziniert dich so daran?

Nina Egli: Diese Drucktechnik lernte ich während meiner Ausbildung zur Grafikerin kennen. Ich habe die Grafikfachklasse in Biel besucht, das ist eine schulische Ausbildung in meinem Heimatland Schweiz. Für mich eine tolle Zeit, ich mochte die Mischung aus praxisorientiertem Arbeiten und kreativem Ausprobieren. Siebdrucken tat ich das erste Mal im Rahmen einer Spezialwoche, dann besuchte ich immer mittwochabends einen Kurs und gegen Ende richtete ich mir eine eigene Mini-Werkstatt zuhause ein.
Mich fasziniert damals wie heute, dass ich eigenhändig meine eigenen Ideen einerseits vervielfältigen und andererseits auf verschiedenste Untergründe übertragen kann. Auch auf außergewöhnliche Materialien wie dicke Papiere, Pappe, Stoff, Holz oder Leder. Ich kann den kompletten Prozess selbst umsetzen: von der Idee über die Gestaltung und dem Farben mischen bis zum fertigen Druck. Ich bin ziemlich ungeduldig und mag es, dass ich in relativ kurzer Zeit das fertige Ergebnis in Händen halten kann. Es ist ein körperlicher, handwerklicher Vorgang und ein starker Kontrast zu meiner täglichen Arbeit vor dem Bildschirm. Und was eigentlich das Tollste ist: das Endprodukt sieht so wunderbar hochwertig aus. 

Clean Couture: Was versteht man unter Siebdruck? Wie genau funktioniert das Verfahren?

Nina Egli: Im Prinzip ist Siebdruck die weiterentwickelte, professionalisierte Form einer einfachen Papierschablone. Nur dass die Farbe nicht mit einem Pinsel getupft, sondern mit einer sogenannten Rakel durchgedrückt wird. Daher nennt man das auch »Durchdruckverfahren« (im Vergleich zum Hoch- oder Tiefdruckverfahren). 
Etwas genauer basiert Siebdruck auf einem farbdurchlässigen Gewebe. Also Fäden, die in einem feinen Raster auf einen Rahmen aus Aluminium oder Holz gespannt werden. Manche Stellen werden mit Papier, Klebeband oder einer cremigen Flüssigkeit (lichtempfindliche Fotoemulsion) verschlossen, während andere Stellen offen bleiben – und genau da wird dann die Farbe durchgestrichen. 
Gegenüber einer einfachen Papierschablone hat der Siebdruck die Vorteile, dass viel feinere, detailliertere Motive, höhere Auflagen und ein gleichmäßiger Farbauftrag möglich sind.

Clean Couture: Wie kam es dazu, dass du Jakob&Tatze gegründet hast? Wie hat sich dein Unternehmen entwickelt und vielleicht auch verändert?

Nina Egli: Angefangen hat alles noch während der Ausbildung, als ich begann, meine eigenen Illustrationen auf Stoff und Papier zu drucken. Logisch, denn ich brauchte ja Motive für den Siebdruck-Kurs. Irgendwann durfte ich an einer Ausstellung für junge KünstlerInnen teilnehmen und merkte, dass sich meine Arbeiten gut verkauften. Denn da Siebdruck ein serielles Druckverfahren ist und man schnell einige Exemplare hat, schien es mir sinnvoll, diese für kleines Geld anzubieten. In den folgenden Jahren machte ich hie und da bei kleinen Designmärkten mit, die damals in der Schweiz noch eine Seltenheit waren. Als ich vor vier Jahren nach Frankfurt zog, wollte ich das vertiefen, meldete mich endlich als Freiberuflerin an und hatte auf einigen der großen Designmärkte einen inzwischen ganz schön ausgeklügelten Stand. 
Der Namen »Jakob&Tatze« entstand übrigens auch aus einer der ersten Illustrationen – ein Junge, der auf den Schultern eines Bären versucht, auf einen Baum zu klettern. Einmal sagte mir eine Dame an einem Markt, der Junge erinnere sie an ihren kleinen Jakob. Ich fand das zauberhaft und fragte mich, wie wohl der Bär heißen würde …

Clean Couture: Wie bist du darauf gekommen, Siebdruckworkshops anzubieten?

Nina Egli: Vor etwas über einem Jahr kribbelte es in meinem Bauch, ich war irgendwie unzufrieden und begann, meine Gedanken niederzuschreiben. Dies hat mir geholfen, zu verstehen, was mich störte: Die Märkte wurden zunehmend aufwendiger und teurer, gleichzeitig gingen die Verkäufe zurück und ich merkte, dass ich mich mehr als Marke sehen und meine Produkte bewusster gestalten und präsentieren müsste, um damit erfolgreich zu sein. Gleichzeitig hatte sich mein Illustrationsstil kaum weiterentwickelt, ich konnte meine alten Motive schon nicht mehr sehen und das Zeichnen meiner sehr feinen, detaillierten, zeitintensiven Bilder machte mir kaum mehr Spaß. 
Was ich aber sehr mochte und mag, ist organisieren, planen, gestalten, aufbereiten, siebdrucken, zu Produkten verarbeiten, verkaufen. Der Kontakt zu den Menschen, das Recherchieren, Konzepte entwickeln und mich von anderen kreativen Köpfen inspirieren lassen.
Ich merkte, dass ich meinen Job im Designbüro zwar sehr gerne mag, dass er mich aber nicht erfüllt. Das war nicht leicht, denn Grafikdesign ist schließlich ein Traumberuf. Aber ich spürte, dass viel mehr Kompetenzen in mir schlummern, die ich da nicht richtig ausleben kann. Dinge, die in mir eine ganz andere Begeisterung auslösen. So keimte die Idee auf, dass vielleicht eine selbstständige Tätigkeit das Richtige für mich sein könnte.
Meine allererste Idee war die Gründung eines besonders schönen Bilderbuchladens. Mit eltern- und kinderfreundlicher Einrichtung sowie verschiedenen Kinder-Workshops rund um die Themen Design, Typografie, Illustration und Papier (falls jemand möchte: bitte gründe das in Frankfurt!). Ein Siebdruckworkshop sollte auch Teil davon sein. Nach vielen, vielen Überlegungen, Recherchen, Notizen und Gesprächen mit Kreativen und Selbstständigen, kristallisierte sich die Idee heraus, mich auf Siebdruckworkshops für Erwachsene zu konzentrieren. 

Clean Couture: Welche verschiedenen Arten von Workshops bietest du an?

Nina Egli: Starten möchte ich mit drei Workshop-Formaten.

1. Der Intensiv-Workshop für Stoff bzw. Papier: Hier ist es möglich, den kompletten Prozess von A bis Z mitzumachen. Die TeilnehmerInnen bringen eigene Motive mit, belichten diese auf die Siebe und dann wird fleißig gedruckt. Hier kann man sich austoben. 

2. Außerdem wird es einen Afterwork-Spezial-Workshop geben. Für alle, die erstmal in die Technik reinschnuppern und sich einen fröhlich kreativen Abend gönnen wollen. Hier arbeite ich mit verschiedenen IllustratorInnen und DesignerInnen zusammen, die extra für den Workshop wechselnde und limitierte Motive anbieten, die dann eigenhändig auf ein T-Shirt gedruckt werden können.

3. Zu guter Letzt gibt es den MiniBusiness-Workshop. Speziell für Gründerinnen, Selbstständige und Freiberufler. Diese können hier ihre eigenen Visitenkarten von Hand drucken, inklusive Beratung und ein paar Fotos, die sie dann auf ihren Social Media Kanälen teilen können.

Ich habe noch einige Ideen in meinem Notizheft aber hiermit möchte ich erstmal ganz bald loslegen.

Clean Couture: Gibt es auch Dinge, die während deiner Zeit als Gründerin von Jakob&Tatze so richtig schief gelaufen sind? Was hast du aus diesen Situationen mitgenommen?

Nina Egli: Für mein Empfinden bin ich noch mitten in der Gründung. Ich denke also, da kommt noch einiges auf mich zu. So richtig schief ist bisher zum Glück noch nichts gelaufen. Es sind eher die Zweifel hie und da, ob das wirklich eine gute Idee ist, ob ich das überhaupt kann und ich nicht nur mein Erspartes aus dem Fenster werfe. Aber diese Zweifel sind auch schnell wieder weg, weil es einfach so viel Spaß macht und ich bisher nur positive Rückmeldungen erhalte.
Was mich wirklich nervt, sind diese rechtlichen Themen. Das ist mir derart fremd, dass ich mir so viele Gedanken dazu mache und es teilweise einfach nicht verstehe. Da wünschte ich mir manchmal, ich hätte mich schon mal früher mit solchen Dingen beschäftigt. Ich neige dazu, alles richtig und korrekt machen zu wollen. Das macht es mir nicht immer leicht 🙂

Clean Couture: Hast du Tipps für andere Gründerinnen, die sich gerade selbstständig machen oder selbstständig machen wollen?

Nina Egli: Ich denke, für jeden ist dieser Weg höchst individuell. Ich selbst stecke da ja noch mittendrin. Mir hat es aber geholfen, tief in mich hinein und auf mein Bauchgefühl zu hören, denn ich persönlich kann mich nur mit einer Idee selbstständig machen, die wirklich aus mir heraus kommt. Gleichzeitig war es aber auch wichtig, raus zu gehen, über die Idee zu sprechen und mutig interessanten Menschen davon zu erzählen. Ich habe zudem im Büro um einen Tag reduziert. Einerseits hat mir dieser eine freie Tag unheimlich viel gebracht, ich bin so viel weiter gekommen dadurch. Andererseits bin ich froh, dass ich noch angestellt arbeite. Ich mache den Job ja schließlich gern und er gibt mir finanzielle Sicherheit.

Und, ganz wichtig: weil ich aus zeitlichen Gründen nicht alles sofort umsetzen kann, zwingt es mich, meine Ideen und Gedanken zu überdenken. Dadurch habe ich mich extrem weiterentwickelt, statt überstürzt zu handeln.

Clean Couture: Was wünscht du dir für die Zukunft für Jakob&Tatze und was sind deine langfristigen Pläne?

Nina Egli: Erstmal wünsche ich mir, dass es so positiv weitergeht, wie bisher. Ich möchte endlich den Schritt wagen und die ersten Workshops online stellen und ich hoffe natürlich, dass das Angebot angenommen wird. Vorerst bin ich dankbar, dass gerade alles Schritt für Schritt vorangeht und sich so, so gut anfühlt. Es ist auch wahnsinnig toll, dass bereits andere Projekte und Kooperationen rund um Siebdruck und Workshops in Planung sind. Es gibt nichts Schöneres, als dass bereits jetzt Leute mit Projektideen auf mich zukommen.
Ganz groß gedacht, träume ich von einem eigenen Ladenlokal mit Atelier und Shopbereich, (wo es dann auch ausgewählte Bilderbücher zu kaufen gibt) mit Veranstaltungen und genug Platz für Teamevents oder beispielsweise Junggesellinnenabschiede. Tatsächlich glaube ich aber auch, dass das nicht meine letzte Station sein wird. Vielleicht läuft das in ferner Zukunft von allein, tolle Menschen geben Workshops und ich konzentriere mich auf die nächste Idee, die irgendwann heranwächst … Träume können nicht groß genug sein.

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