Natalya von Netzwerk Chancen – und warum auch die Beachtung von sozialer Diversität wichtig ist

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NETZWERK CHANCEN ist eine gemeinnützige und überparteiliche Plattform. Als eine ehrenamtliche Initiative setzen sie sich deutschlandweit für Chancengleichheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus finanzschwachen oder bildungsfernen Familien ein. Wir durften mit Natalya sprechen, die die Gründerin von Netzwerk Chancen ist und uns an ihrem persönlichen Weg hat teilhaben lassen.

Elisa von Clean Couture: Liebe Natalya ich freue mich sehr, dass du dich bereit erklärt hast, persönlich einige Fragen zu deinem Herzensprojekt zu beantworten.Vielleicht kannst du unseren Lesern erklären, was ihr bei Netzwerk Chancen genau macht, worin euren Arbeit besteht und welche Aufgabe du als Gründerin hast?

Natalya: Gerne! Netzwerk Chancen setzt sich deutschlandweit für Chancengleichheit von benachteiligten Kindern und jungen Erwachsenen ein. Dafür bieten wir zwei Programme: Aufsteiger und Dialog. “Netzwerk Chancen. Aufsteiger” ist ein ideelles Förderprogramm für junge Menschen zwischen 18-39 Jahren. Derzeit fördern wir deutschlandweit rund 480 soziale AufsteigerInnen aus finanzschwachen oder bildungsfernen Familien. Wir bieten Workshops zu Themen wie Rhetorik oder Karriereplanung, Arbeitgeberkontakte und Inspirational Talks. 

“Netzwerk Chancen. Dialog” wiederum bietet Förderung für zivilgesellschaftliche Organisationen, die direkt mit Kindern und Jugendlichen aus prekären Verhältnissen arbeiten. Außerdem bringen wir die Mitglieder dieses Programms mit Entscheidungsträgern aus Politik und Ministerien zusammen, um gemeinsam nachhaltige Lösungen für mehr Chancengleichheit zu erarbeiten. 

Ich leite Netzwerk Chancen ehrenamtlich neben meinem Vollzeitjob. Mittlerweile sind wir ein Team aus 10 ehrenamtlichen und zwei hauptamtlichen MitarbeiterInnen. Neben der Strategie bin ich vor allem für die Motivation des Teams verantwortlich. Außerdem sehe ich mich als Coach, der die Team-Mitglieder weiterentwickelt. Um bei uns anzufangen, spielen Qualifikationen und Erfahrung keine Rolle. Wir suchen motivierte Leute, denen wir alles beibringen können.

Elisa von Clean Couture: Du bist die Gründerin von Netzwerk Chancen, wie bist du dazu gekommen, das soziale Unternehmen ins Leben zu rufen? Steckt da eine persönliche Geschichte dahinter?

Natalya: In der Tat. Ich bin in Kiew geboren und mit 11 Jahren zusammen mit meinen Eltern nach Deutschland eingewandert. Meine Eltern haben beide keinen Hochschulabschluss und sprechen kaum Deutsch. Ich habe am eigenen Leib erlebt, wie schwierig es mit so einem Hintergrund war, meinen Weg zu gehen. Zunächst wollte mich kein Gymnasium nehmen, obwohl ich auf der Realschule sehr gute Note hatte. Als ich dann später die Zusage für einen Master-Platz in Großbritannien erhalten habe, wurde mein Antrag auf Auslands-Bafög abgelehnt. Als Hartz IV-Kind war es verdammt schwer, trotzdem nach England zu gehen und so einen Hochschulabschluss zu erlangen. 

Und auch mein Berufseinstieg nach dem Master-Abschluss gestaltete sich als schwierig. Mir fehlten Kontakte, Informationen, Selbstbewusstsein. Um genau hier anzusetzen und junge soziale Aufsteiger auf ihrem Weg zu unterstützen, habe ich Netzwerk Chancen gegründet.

Elisa von Clean Couture: Ihr bietet Workshops, Vernetzungsveranstaltungen und Arbeitgeberkontakte an. Wie wird euer Angebot bei den jungen Erwachsenen angenommen? 

Natalya: Unser Förderprogramm ist kostenlos und sehr niedrigschwellig. Das Formular für den Beitritt ist in 2 Minuten ausgefüllt. Die Motivation fragen wir in 3 Sätzen ab. Es war mir wichtig, kein elitäres Programm zu starten, wo junge Menschen lange Motivations- und Referenzschreiben oder Zeugnisse einreichen müssen. Gerade soziale AufsteigerInnen, die sich oft nicht viel zutrauen, schrecken aufwändige Bewerbungsverfahren oft ab. 

In den 1,5 Jahren des Bestehens von “Netzwerk Chancen. Aufsteiger” konnten wir ca. 480 Mitglieder gewinnen. Wir freuen uns, so vielen jungen Menschen unbürokratisch helfen zu können. 

Elisa von Clean Couture: Wie reagieren die Unternehmen auf das Konzept? 

Natalya: Auf den ersten Blick positiv. Wenn ich von Netzwerk Chancen erzähle, ist das Feedback immer gut: “Was für eine tolle Initiative!” höre ich dann oder: “Super, dass du das machst!”. Wenn es aber darum geht, uns tatsächlich (finanziell) zu unterstützen, werden Unternehmen schnell kleinlaut. 

Neben Reputation bieten wir Unternehmen Zugang zu motivierten jungen Menschen, also super Recruiting-Möglichkeiten. Über uns können Unternehmen soziale Diversität wirklich leben. Doch meiner Erfahrung nach findet das Thema soziale Herkunft als Diversity-Faktor in den Köpfen von Personalern nicht statt. Die Belegschaft sozial zu diversifizieren klingt einfach nicht sexy. Solange das so ist, haben wir es schwer, Unternehmenspartner zu finden, die wir dringend brauchen. 

Elisa von Clean Couture: Gibt es bereits Erfolgsgeschichten, an denen du uns teilhaben lassen kannst?

Natalya: Wir konnten bereits zwei Personen in Stellen vermitteln und einige weitere in Vorstellungsgespräche. Zwei davon haben berichtet, dass sie nicht eingeladen worden wären, wenn die Personaler sie nicht bei unseren Veranstaltungen kennengelernt hätten. Das macht uns Mut, weiterzumachen!

Elisa von Clean Couture: Du hast nebenberuflich gegründet, wie war das für dich? Wie konntest du alles unter einem Hut bringen und wie schaffst du es jetzt, trotz des Wachstums von Netzwerk Chancen allem gerecht zu werden?

Natalya: Viel einfacher, als man denkt. Ich wollte nebenberuflich gründen, um finanziell nicht von dem Projekte abhängig zu sein und Netzwerk Chancen jenseits von Umsatzdruck gestalten zu können. Schon vor der Gründung war ich ehrenamtlich tätig und wusste, dass man auch nebenberuflich Großes schaffen kann, wenn man zielorientiert und diszipliniert arbeitet. Wichtig dabei ist, stark zu priorisieren und nur Aufgaben zu beginnen, die auch einen Ertrag versprechen. So stellt man sicher, dass man trotz minimaler Ressourcen schnell vorankommt. 

Ich stecke etwa 5h die Woche in das Projekt. In der Zeit beantworte ich Mails, telefoniere mit meinen MitarbeiterInnen, nehme alle 14 Tage an Team-Meetings teil, ab und an treffe ich potentielle Partner bei einem Lunch. 

Elisa von Clean Couture: Welchen Tipp würdest du Neugründern mit auf den Weg geben? 

Natalya: Macht einfach! Gerade nebenberuflich ist das Risiko überschaubar, zu gewinnen gibt es aber viel! 

Wenn ihr noch mehr über den Verein Netzwerk Chancen erfahren wollt oder unterstützen möchtet, findet ihr alle Infos auf der Webseite oder auch bei Instagram.

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