„Je digitaler die Welt, desto analoger die Träume!“

So sehr ich häufig darüber schimpfe, dass Instagram einem offensichtlich fleißig am Belauschen ist, um so mehr habe ich mich vor ein paar Wochen darüber gefreut als mir ein bezahltes Posting vom AD Magazin ausgespielt wurde. Einer meiner liebsten Interior Magazine veranstaltete vom 13. bis 15. September erstmalig das „House of Crafts“ in Berlin. 

Die Intension des AD „House of Crafts“ war gutes Handwerk und seine Macher dahinter zu zeigen. AD hat es dabei wunderbar geschafft traditionelle Manufakturen und junge Talente auf über 600qm Quadratmeter im Magazin in der Heeresbäckerei in Berlin zusammenzubringen. 

Ich hatte dabei das Glück bei einer sehr interessanten Führung mit Oliver Jahn (Chefredakteur der AD) den Fachleuten über die Schulter schauen zu könnten und ihre einmaligen Fähigkeiten bewundern konnten. An dieser Stelle könnte ich nun alle einzelnen Manufakturen aufzählen, von ihnen schwärmen, wie besonderes jede für sich ist. Ich habe mich an dieser Stelle allerdings dagegen entschieden: Jeder der mehr über die Ausstellung und seine Teilnehmer erfahren könnte, kann sich hier informieren

Wertigkeit der Dinge

Ich möchte hier auf etwas anderes eingehen. Ziemlich am Ende der Führung fiel ein Spruch, der sich für mich maßgeblich in mein Gedächtnis einprägte. 

„Je digitaler die Welt, desto analoger die Träume!“

Ja unsere Welt wird digitaler und ich wünschte mir, dass sie es in einigen Dingen noch viel mehr und schneller wäre. Aber in ganz anderer Hinsicht wiederum, musste ich diesem Spruch mehr als zu 100 Prozent zustimmen, indem ich wünschte, die Welt würde hin und wieder sich etwas langsamer drehen!

Material und Haptik von Produkten

Was machen wir alle jeden Tag? Wir wischen stundenlang Tag für Tag auf einer Glasplatte herum, manchmal zärtlich, manchmal hektisch oder tippen auf Platiktasten herum, um noch eben schnell super wichtige Zeilen loszuwerden. Analog ist hier oft nur weniges in unserem Alltag: etwas richtig zum Anfassen, ein Material was wir bearbeiten, dabei spüren wie es sich unter unseren Händen verändert und wir dann in gewisser Weise auch eins damit werden. 

Ich glaube, dass wir gerade so häufig den Wert für entscheidende Dinge verlieren. Massenprodukte, die die Industrie schnell und möglichst kosteneffizient hergestellt haben, stellen eher selten etwas dar, womit wir uns wirklich verbunden fühlen. Produkte werden so für uns austauschbarer und nicht selten verlieren wir nach kurzer Zeit das Interesse daran. 

Weniger ist wie so oft wohl mehr

Bezogen auf Möbel können sich natürlich nur die wenigsten Möbel im vier oder sogar fünfstelligen Bereich leisten, die von Designern in monatelanger Kleinstarbeit hergestellt werden. Aber zu einem sollten wir alle in der Lage sein: Das eigene Bewusstsein zu schärfen! Brauche ich fünf Taschen oder gönne ich mir eine zeitlose hochwertige, die mich Jahrzehnte begleiten wird? Welche klassischen Möbelstücke dürfen in mein Zuhause einziehen und werden mich durch die unterschiedlichen Lebensphasen begleiten? Kurz gesagt einen Sinn für die „guten Dinge entwickeln“, die zu echten Weggefährten werden und keine lieblosen Wegwerfartikel sind. 

Wenn wir in unsere ersten eigenen vier Wände ziehen, ist wohl ziemlich jeder zum bekannten schwedischen Möbelhaus gedüst und hat sich das nötigste schnell zusammengestellt. Gar keine Schande und absolut nachvollziehbar in dieser Lebensphase. Aber irgendwann sollte der Punkt kommen an dem man die Wertigkeit bestimmter Produkte mit deren Materialien, Herstellung und auch vielleicht Designhintergrund mehr in den Fokus rückt. 

Ausflug in die analoge Welt

Für jeden ist sein zu Hause ein ganz besonderer Ort, aber ich verspreche euch, dass es noch einzigartiger wird mit ein paar erlesenen Lieblingen. Sagt hin und wieder ja zur analogen Welt: streicht langsam mit eurer Hand über einen geölten Eichentisch, hebt ihn leicht an und merkt, wie schwer er ist und überlegt, wie lange ein Baum dafür wachsen musste. 

Für jeden ist sein zu Hause ein ganz besonderer Ort, aber ich verspreche euch, dass es noch einzigartiger wird mit ein paar erlesenen Lieblingen. Sagt hin und wieder ja zur analogen Welt: streicht langsam mit eurer Hand über einen geölten Eichentisch, hebt ihn leicht an und merkt, wie schwer er ist und überlegt, wie lange ein Baum dafür wachsen musste. 

Ich wäre an dieser Stelle nicht verwundert, wenn ihr plötzlich Lust bekommen würdet vielleicht noch mehr Details über den Tisch zu erfahren oder selbst einmal die Herstellungswerkstatt zu besuchen. Die rauen Baumstämme vor der Bearbeitung zu sehen, den Geruch von frischem Holz in der Nase zu haben und letztlich mit der Hand über euren Tisch zu streichen. Gebt der analogen Welt in der sich immer schneller drehenden Welt häufiger eine Chance.

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