Foodsharing -wir retten Lebensmittel, wie es funktioniert und wie ihr mitmachen könnt erzählen euch Miri und Noemi von Gleichgesinnt

Miri und Noemi sind Zwillingsschwestern, die versuchen unsere Erde ein wenig friedlicher zu hinterlassen, ohne dabei die Freude und Liebe am Leben zu verlieren. Mit ihrem Instagram Account „gleichgesinnt“ inspirieren sie uns, bringen uns zum Nachdenken, zum Umdenken und zum Handeln.

Liebe Miri, liebe Noemi, ich freue mich so sehr, dass wir heute zusammen über das Thema Foodsharing sprechen. Ein Thema, dass besonders in den Großstädten meiner Meinung nach noch sehr viel mehr Aufsehen, Nachahmer und Helfer verdient hat. 

Elisa von Clean Couture: Ihr seid bereits Expertinnen bei dem Thema Foodsharing. Erzählt uns doch gerne was das eigentlich ist, Foodsharing?

Miri und Noemi von Gleichgesinnt: Wir freuen uns auch sehr darüber unsere Herzensangelegenheit heute thematisieren zu dürfen. Du hast vollkommen Recht. Die Wertschätzung von Lebensmitteln ist ein Thema, welches wirklich mehr in den Fokus gerückt werden muss. Allerdings nicht nur in Großstädten, sondern eigentlich überall dort, wo Menschen mit ihren Grundbedürfnissen aufeinander treffen. Foodsharing ist eine Initiative, die sich genau das auf die Agenda gesetzt hat. Engagierte „retten“ ungewollte und überproduzierte Lebensmittel in privaten Haushalten sowie kleinen und größeren Betrieben. Dabei geht es nicht nur um’s bloße Lebensmittelretten, sondern auch um bildungspolitische Arbeit, die wir beispielsweise in Schulen leisten, um nachhaltige Umwelt- und Konsumziele auf den Lehrplan zu bringen.

photocredit: Tantebabo

Elisa von Clean Couture: Wie funktioniert Foodsharing in der Umsetzung, was macht ihr konkret?

Miri und Noemi von Gleichgesinnt: Foodsharing ist über eine Online-Plattform organisiert (www.foodsharing.de). Dort sind Bezirke aus verschiedenen europäischen Ländern zu finden. Jede*r, der sich dort anmeldet, ist erstmal ein foodsharer oder eine foodsharerin. Diese haben die Möglichkeit sogenannte „Essenskörbe“ zu erstellen oder von anderen abzuholen, wenn der Apfelbaum im Garten vor lauter Früchten die Äste hängen lässt oder der Kühlschrank vor dem Urlaub noch leer werden muss. Wer noch aktiver werden möchte kann foodsaver werden und von kooperierenden Betrieben Lebensmittel abholen und diese weitergeben. Das können unter anderem Wochenmärkte, Bäckereien, Supermärkte oder Restaurants sein. Alle, die bei uns mitmachen, sind ehrenamtlich aktiv und anders als bei der Tafel geben wir die Lebensmittel ausschließlich unentgeltlich ab. Sogenannte „Fair-Teiler“ dienen dabei als Übergabeort der Lebensmittel. Das sind öffentlich zugängliche (Kühl-)schränke, wo Privatpersonen überschüssige Lebensmittel entnehmen, hineinlegen oder tauschen können.

Elisa von Clean Couture: Für wen ist Foodsharing gedacht? Wer darf sich Lebensmittel bei den Verteilerstationen abholen und diese damit retten?

Miri und Noemi von Gleichgesinnt: Wir haben wirklich das primäre Ziel die Lebensmittel vor der Tonne zu bewahren. Deshalb spielt es keine Rolle, wer sich am „Fair-Teiler“ bedient. Dazu muss auch niemand auf der Online-Plattform registriert sein. Wir laden alle dazu ein sich für die Wertschätzung von Lebensmitteln einzusetzen unabhängig von Herkunft, Einkommen und sonstigen Schublädchen. 

Elisa von Clean Couture: Wo finde ich die Foodsharing Stationen auch in meiner Stadt, wenn ich gerettete Lebensmittel abholen möchte?

Miri und Noemi von Gleichgesinnt: Auf unserer Online-Plattform gibt es eine Karte, wo alle „Fair-Teiler“ und „Essenskörbe“ eingetragen sind. Da das super viele Informationen auf einmal sind, lohnt sich der Blick auf die Webseite, um sich einen Überblick zu verschaffen. Foodsharing ist in Deutschland wirklich sehr weit verbreitet. Insgesamt konnten schon über 32.000 Tonnen Lebensmittel vor dem Müll bewahrt werden. Dennoch gibt es Regionen, die noch nicht am Start sind. Als wir gesehen haben, dass es in unserer Heimatstadt Bremerhaven noch keine aktiven Lebenmittelretter*innen gab, haben wir einfach selbst einen Bezirk eröffnet. 

Elisa von Clean Couture: Merkt ihr bei eurer ehrenamtlichen Arbeit wie sich langsam das Bewusstsein der Menschen ändert und sie für Themen wie Lebensmittelverschwendung sensibler werden? 

Miri und Noemi von Gleichgesinnt: Wir laden regelmäßig Freund*innen oder Bekannte zum Kochen ein. Wenn wir dann beim Essen erzählen, dass all das Gemüse eigentlich weggeworfen werden sollte, gibt es oft fassungslose Blicke und ein unverständnisvolles Kopfschütteln. Das sind oft nur so kleine Momente, aber dann kommt Tage später ein Anruf, wo uns erzählt wird, dass aus dem harten Brot vom Vortrag Semmelknödel gebacken wurden. Und das nur, weil wir sie zum Nachdenken angeregt hätten. Letztes Jahr war Noemi mit foodsharing auf einem Festival. Sie konnte vorher kaum glauben, dass die feiernden Besucher*innen nach dem dritten Bier noch Lust hätten mit uns über ein so kontroverses Thema zu reden. Es hat sich aber das Gegenteil bestätigt. Die Besucher schrieben die verrücktesten Cocktailrezepte aus krummen Gurken und Single-Bananen. Also insgesamt merken wir schon, dass ein Bewusstsein da. Damit dieses Bewusstsein aber auch in breiten gesellschaftlichen Kreisen seine Runden zieht, bedarf es weiterhin super viel Aufklärung und vielleicht auch einfach die Erfahrung, dass Engagement tatsächlich verdammt viel Spaß machen kann. 

Elisa von Clean Couture: Was hat euch persönlich motiviert Lebensmittel zu retten, was war der ausschlaggebende Impuls?

Miri und Noemi von Gleichgesinnt: Wir haben während unserer Abiturzeit  in den Ferien des Öfteren in einem kleinen Supermarkt auf einer Nordseeinsel gearbeitet. Wir waren wirklich erschüttert darüber, wie viel ein einzelner kleiner Supermarkt wegschmeißt. Als wir das hochrechneten, wurde uns erst das Ausmaß bewusst. Insbesondere die Absurdität, dass wir uns darüber Sorgen machen, wie wir die wachsende Bevölkerung versorgen sollen. In dem Zusammenhang erwähnt niemand, dass ein Drittel aller Lebensmittel im Müll landet. Da wir uns nicht über Dinge ärgern möchten, die wir nicht ändern können, wollten wir unseren Teil dazu beitragen etwas zu verändern.

Elisa von Clean Couture: Was habt ihr für einen abschließenden Wunsch, für eine Vision für die Zukunft für Foodsharing?

Miri und Noemi von Gleichgesinnt: Wir haben uns auf vielfältige Weise ehrenamtlich engagiert, aber hatten bisher nur durch foodsharing das Gefühl wirklich bei jeder Abholung aktiven Ressourcen- und damit Umweltschutz zu betreiben. Unsere Vision ist es durch gemeinsame Picknicks (wir nennen es auch Schnippelpartys) Menschen zusammen zu bringen, die sich zuvor auf der Straße wahrscheinlich nicht mal gegrüßt hätten. Wir möchten durch die gemeinsamen Festivalbesuche oder Grillabende zeigen wie bereichernd Engagement ist – und zwar auf allen Ebenen. 

Elisa von Clean Couture: Vielen Dank ihr Zwei für das wundervolle Interview. Wenn unsere Leser sich jetzt ebenfalls gerne engagieren wollen, was können sie tun und wo können sie sich hinwenden, wie groß der zeitliche Aufwand ist, den ihr betreibt und warum es sich auf alle Fälle lohnt.

Miri und Noemi von Gleichgesinnt: Das Schöne ist, dass sich niemand bei foodsharing zu etwas verpflichtet. Für Abholungen kann sich jede*r so oft oder so selten eintragen, wie er oder sie möchte. Auf der Online-Plattform (www.foodsharing.de) wird alles Weitere schrittweise erklärt. Ansonsten meldet Euch auch gerne bei uns oder sucht mal auf anderen Socialmedia-Kanälen nach einer foodsharing-Gruppe in Eurer Nähe.

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