Eine Auszeit nehmen – pausieren- Wie man das macht? Geht nicht? Oh doch!

Ich nehme sie mir gerade. Mehr oder weniger jedenfalls und vermeintlich erzwungen. Denn unsere Agroturismo Unterkunft auf einer toskanischen Olivenplantage hat kein unbegrentes Wifi (wie konnten sie nur! – Vorsicht Ironie!). Nach einem Verzweiflungsanfall (Vorstufe zur Schnappatmung) und dem eng zugeschnürten Gefühl in der Brustkorbgegend, da 5 Tage keine Arbeit, danach 5 Tage doppelt so viel Arbeit bedeuten vor allem in der Gründungsphase, beruhigte ich mich etwas. Darauf eingestellt, dass ich nichts verpasse, weil ich es eh nicht mitbekomme, normalisierte sich mein Herzschlag. Na gut, vielleicht lag es auch an der positiven Nachricht des Gastgebers, dass es eine Sitzecke auf dem Grundstück gab, in der es sehr wohl Wifi gab und dem großen Glas Weißwein.


Der Gedanke an weniger Arbeit, weil es anders nun mal nicht möglich war, war in dem Moment ein Befreiungsschlag.
Denn nicht ich war es, die es beeinflusste. Ich war mehr als bereit! Weder faul, noch unfähig und so müsste ich mir im Nachhinein nicht selbst vorwerfen zu spät angefangen zu haben. Nein, ich konnte ja einfach schlicht nichts dafür. 

Wenn ich so darüber nachdenke, ist das eine ziemlich eindeutige Situation von „chicken out“. Sich aus der Verantwortung stehlen, weil man selbst nicht gelernt hat mit sich nachgiebig zu sein und sich auch mal eine Auszeit einzuräumen.

Aber was kann helfen uns wieder daran zu erinnern, dass wir uns sehr wohl Auszeiten nehmen können?
Vielleicht hilft es uns beim Nachsichtigsein, wenn wir uns daran erinnern wie liebevoll wir früher mit uns umgegangen sind. Als wir Kinder waren. Zu Zeiten zu denen wir einfach so waren wie wir sind. Als Zeit noch keine Rolle gespielt hat, wir im Moment lebten und es genießen konnten.


Kirschen im Garten essen, inklusive Kirschkernweitspucken, im Gras sitzen, träumen, die Augen zumachen, hinhören, ruhen.

In einer Welt in der wir alle technischen Möglichkeiten besitzen, um jede Lücke und Möglichkeit der Ruhe zu füllen, fühlt sich Ruhe plötzlich unheimlich und irgendwie falsch an. Das was früher selbstverständlich war, ist jetzt nicht mehr effektiv.

Wir haken Erlebnisse wie To-Dos ab, ohne sie wirklich zu erleben. Geburtstag: Check; Hochzeit von Freunden: Check; Essen gehen mit Freunden: Check. Während jeglicher Zwischenräume, Hinweg, Rückweg checken wir Mails, beantworten Nachrichten. Nutzt Zwischenräume, ja definitiv, aber lebt nicht in der Illusion, dass JEDER Zwischenraum genutzt werden muss. Denn die Geschichte, die wir uns selbst erzählen, davon, dass wir beim Nutzen der Zwischenräume Dinge vorziehen, während wir in die Zeit, die ja angeblich gespart wurde doch wieder nur andere To-Dos quetschen, ist eine Farce.

Manchmal sollten wir uns vielleicht einfach wie früher hinsetzen, träumen, hören, beobachten, atmen, ruhen, so wie als Kinder. Das gibt uns vielleicht die Möglichkeit eine Auszeit ohne schlechtes Gewissen zuzulassen, denn das haben wir früher auch getan und wir leben immer noch, sehr gut sogar.

Auch in der ersten Podcastfolge mit Claudia Simchen sprechen wir darüber wie wichtig es ist, sich eine Auszeit zu nehmen. Alle Podcastfolgen und Infos zum Podcast findet ihr übrigens hier.

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