Die Sinnkrise mit Ende 20: von der Angst allein zu sterben und der Frage nach dem PFE

Wer hat eigentlich den Begriff der Mid Life Crisis erfunden? Das impliziert ja gerade zu, dass einem nur EINE Krise im Leben zusteht nämlich circa auf der Hälfte des Weges, zwischen 40 und im besten Fall 55. Jetzt kann ich als 29-Jährige da noch nicht mitreden aber schon Ende 20 bahnt sich gefühlt eine gleichermaßen große Krise an.

Noch keine Kinder? Noch nicht verheiratet? Alleine sterben!? Kein Haus, keine Rücklagen für ein Haus? Vielleicht wenigstens schon mal einen Baum pflanzen? Nur wo verdammt!?

Jobtechnisch schon alles erreicht? Oder doch noch nicht den PFE (purpose for existence) gefunden? Geld? Sicherheit? Versicherungen? Altersarmut? Hilfe!!!!!

Okay also müssen wir anfangen uns zu ordnen: Bücher zum Thema Selbstliebe lesen, Zeitung lesen (aktuelles Tagesgeschehen verfolgen, in meinem Alter muss man wissen was Sache ist), Selbstverwirklichung, was will ich wirklich? Wieder ein Buch lesen, auch mal zur klassischen Literatur greifen, schon längst fällig, Buch lesen, eine Weiterbildung? Noch ein Studium? Dringend erforderlich! Töpfern lernen, mal wieder Yoga machen, Meditation, ach quatsch gleich Schweigewochenende im Kloster, ja das ist eine gute Idee! 5-Jahres-Plan aufstellen, mit dem Partner kurz gegenchecken (ist er überhaupt der Partner fürs Leben?), Haus aussuchen, Kredit aufnehmen, aufs Land ziehen, Miete sparen, investieren ins Eigenheim. Schaff ich das alles in den nächsten 2 Wochen? Das ist doch ein realistischer 14-Tages Plan oder nicht?

Wenn man das Gefühl hat, dass man mit allem hinten dran ist und sich alles noch fügen muss einem aber die Zeit davon rennt, dann bekommen selbst die strukturiertesten und organisiertesten Menschen unter uns blanke Panik.

Wenn ich mit Freundinnen Ende 20 spreche, die Single sind höre ich leise Resignation in ihren Stimmen und Sätze wie: „ALLE sind vergeben, keiner meiner Freunde ist Single, ALLE verheiratet und/oder mit Kind.“ „Ich finde niemanden mehr. Die besten sind doch schon weg.“ „Jetzt heißt er Resterampe!“

Und auch wenn mein stetes Gegenreden und die Lobeshymnen, die ich auf Tinder anstimme (worüber ich meinen Freund kennenlernen durfte) beschwichtigen können, beschleicht mich selbst auch immer wieder die Angst, dass es nicht so einfach ist, bzw. nicht mehr so einfach zu sein scheint.

Umso älter wir werden, umso mehr Erfahrungen wir machen, umso stärker wird unsere Vorstellung und unser gefestigtes Bild von einem „normalen Leben“ eines „Durchschnittsmenschen“ in dem wir, wenn wir ehrlich sind, von allem nur das Beste, das Perfekte erwarten, ohne Abstriche. Wir sind nicht mehr flexibel, stellen unumstößliche Anforderungen an uns und Andere bzw. potentiell zukünftige Andere und gerade mal das Beste ist uns gut genug und das bitte auf jeder Ebene des Seins (Selbstverwirklichung, Partner, Job, Familie, Materielles usw.). Ich nehme mich selbst nicht aus. Ohne verheiratet zu sein und Kinder zu haben, ohne uns selbst verwirklicht zu haben, können wir einfach nicht glücklich sein! Was ein Schwachsinn oder? Dabei ist doch schon die Erkenntnis sich weiterentwickeln zu wollen der Weg, der uns das Glück ebnet und uns positive Erlebnisse schafft!

Ich hab kein Allheilmittel gefunden, aber manchmal hilft es einfach tieeeeeeeeef durchzuatmen und entspannt Schritt für Schritt zu gehen und zu versuchen jeden einzelnen zu genießen. Gleichzeitig ein bisschen darauf vertrauen, dass sich die Dinge fügen oder eben nicht und auch mal Pläne schmieden, um sie selbst wieder zu verwerfen.

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.